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    Ja, ich gehe grundsätzlich mit einer optimistischen Lebenseinstellung durch den Tag und sehe das ein oder andere Problem meist deutlich entspannter als der Durchschnitt. Trotzdem (oder gerade deswegen) bilde ich mir auch ein, einen gesunden Realitätssinn zu haben.

    Das jetzige Ergebnis der Abstimmung zum Uploadfilter und Leistungsschutzrecht hatte ich so nicht erwartet und zeigt einmal mehr, dass Politische Entscheidungen oft von Menschen gefällt werden, die nicht die Zeit finden, sich in alle Themen über die sie entscheiden müssen, in der notwendigen Tiefe einlesen zu können.

    Ich finde es schade, dass die Memes bei den “Wi­der­ständ­lern” so in den Fokus gerückt werden. Ich sehe in dem Gesetzentwurf weniger eine Gefahr für witzige Bildchen die wahrscheinlich ohnehin kaum lizenzierbar sind oder nicht unter das Urheberrecht fallen.

    Korrigiert mich wenn ich mich irre aber Fotos von Personen des öffentlichen Lebens oder ein einzelnes Frame aus einer Bewegtbildaufnahme das aus dem Kontext genommen und Dank der künstlerischen Freiheit verändert wird, ist nicht das was mit diesem Gesetz eingeschränkt werden soll und wird.

    Es geht hier darum, dass jedes Bild aus dem öffentlichen Teil des Internet verbannt werden kann, dass die nötige Lobby hat um eine Durchsetzung zu bewirken und den Algorithmus zu steuern.

    Stellt euch vor es ist nicht mehr gewünscht Bilder des Kölner Doms im Internet zu zeigen. Einfach die Datenbank entsprechend füttern und ein Upload ist nicht mehr möglich. Jetzt ist das ein bissel ein doofes Beispiel für unser momentanes Verständnis. Der Eiffelturm bei Nacht ist da vielleicht schon passender.

    Und was ist mit Fotos von Demonstrationen, von politischen Veranstaltungen, von Konzerten, von Schlachthöfen, von Weihnachtsmärkten? Wenn man lange genug überlegt findet man für jedes Motiv eine Begründung warum ein upload eingeschränkt werden soll und darf.

    Auf das Leistungsschutzrecht mit einer Vergütungspflicht für Textauszüge oder das reine Verlinken von Überschriften muss man denke ich nicht weiter eingehen. Das ist die Zensurmaschine schlechthin. Stellt euch vor es betrifft nur kontroverse und kritische Artikel die somit an der Verbreitung verhindert werden.

    Diese beiden Gesetzentwürfe sind in ihrer Umsetzung so kompliziert und in ihrer Wirkung so weitreichend, dass es mir schwer fällt hier den Aluhut abzusetzen.

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      Aluhut hin, Aluhut her. Das ist einfach mal eine Argumentation die auf den Nachrichtenportalen bisher nicht gelesen habe. Es macht aber 100% Sinn. Wenn das Gesetz erst einmal da ist ist es auch viel einfacher es zu ändern. Die “größte Hürde” ist denke ich der erste Schritt das Gesetz in der EU zu verankern, darum ist es auch so wichtig die Leute jetzt zu mobilisieren. Aber es stimmt was du sagst überall liest man von den Memes und ich habe tatsächlich bisher auch nur solche Sachen gelesen wie “wenn du dann einen Pullover mit Markennamen auf dem Foto an hast, kannst du ihn nicht als Facebook Profil verwenden” und ich dachte mir nur wtf.

      Aus deinem Betrachtungswinkel macht das ganze Gesetz auf einmal doch richtig Sinn.

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      Dreist finde ich vorallem, dass bereits das Aufführen einer URL durch Artikel 11 eine Zahlungsaufforderung verlangt:

      Anders als hierzulande werden auch kleinste Auszüge aus Texten in Form sogenannter Snippets erfasst. Dazu kommt zwar die Ansage, dass das Leistungsschutzrecht nicht auf Links ausgedehnt werden soll. In der Praxis dürfte diese Bestimmung aber kaum tragen, da in Webadressen oft schon geschützte Überschriften von Presseartikeln eingebaut sind.

      Quelle: heise.de/EU-Copyright-Reform-Abgeordnete-stimmen-fuer-Upload-Filter-und-Leistungsschutzrecht

      Angenommen dieses Board würde sich durch Werbeeinnahmen finanzieren, dann müsste jeder Link darauf geprüft werden, soweit ich das verstanden habe.

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        Das liest sich so, ja. Eventuell könnte man es dann allerdings wieder umgehen indem man die Links mit einem (eigenem) URL Shortening Service einbaut oder sich anderweitiger Tricks bedient.

        Das ist ja das bescheuerte, wer sich damit auseinandersetzt und einen gewissen Aufwand betreibt wird sich weder durch die Linksteuer noch durch den Uploadfilter aufhalten lassen. Wir wissen uns zu helfen und werden Möglichkeiten finden alle Filter zu umgehen aber der “normale” Nutzer, der einfach was in den sozialen Netzwerken posten will hat das Nachsehen.